Halloween, Samhain, Allerseelen, Tag der Toten…

…es ist doch vollkommen wurscht, wie es genannt wird.

Wieso ich Allerheiligen jetzt nicht genannt habe? Naja, hier wird an „alle Heiligen“ der Christen gedacht, wobei es da auch Unterschiede gibt bei den römisch-katholischen-, orthodoxen, den verschiedenen evangelischen Kirchen… Mir erschließt sich auch nicht wirklich der Sinn, denn am Totensonntag (evangelisch, dieses Jahr am 24.11.2019) wird ja an alle Verstorbenen gedacht. Die Katholiken haben Allerseelen – aber da wird scheinbar nur für alle im Fegefeuer gebetet. Lässt natürlich schon wieder Raum zum Nachdenken: An alle anderen soll / muss nicht mehr gedacht werden…?
Wichtig ist für die Christen und alle anderen nur, dass an Allerheiligen in den deutschen Bundesländern , in denen das ein gesetzlicher Feiertag ist, weder getanzt noch laut die Musik angemacht werden darf, weil Allerheiligen ein „stiller Feiertag“ ist.

Trifft sich ja perfekt mit den importierten Feierlichkeiten Halloween und dem Día de Muertos, dem mexikanischen Tag der Toten, die etwa zur gleichen Zeit stattfinden! Die sind ja sowas von leise! 😉

Während Helloween gewöhnlich am 31.10. gefeiert wird, beginnt der Tag der Toten an diesem Abend und dauert bis zu Allerseelen am 02.11. Es sind also eher Tage der Toten, an denen die Schwelle zwischen Dies- und Jenseits sehr dünn ist und die Toten sogar zurückkehren können, was gefeiert wird. Helloween dagegen hat zwar einen sehr ähnlichen Ursprung, erinnert aber mehr an eine kuriose Mischung aus unserer Fassenacht (Karneval, Fastnacht, wie auch immer) und unserer Hexennacht / Walpurgisnacht.
Irgendwie mag ich beide Feste, wirklich schrecklich finde ich jedoch diese Helloween-Specials in US-amerikanischen Serien, da sie meistens einfach nur gruselig schlecht und nervtötend sind.

Wie man anhand der Fotos sieht (alle von Shutterstock) habe ich dieses Jahr besonders einen Narren an dem Día de Muertos-Make Up gefressen, das auch gerne als „Zuckerschädel“-Make Up bezeichnet wird. Am Tag der Toten gibt es nämlich auch bunte Schädel aus Zucker, was natürlich irgendwie sehr lustig ist, da man die letzte Zeit oft was vom „weißen Gift“ lesen oder hören kann. Seht ihr, die wissen das…!

Noch kurz etwas zu Halloween, All Hallows‘ Eve: In Kreuznach sind wir durch die stationierten Soldaten der US Army und ihre Familien etwas früher darauf aufmerksam gemacht worden, aber allgemein scheint sich dieses Kostümfest hier in Deutschland immer mehr auszubreiten. Von mir aus – mich nervt es nur, wenn es plötzlich zu einer Zwangs-Halloweenisierung kommt.
Ich finde, jeder soll für sich selbst entscheiden können, ob er etwas mag und ob er das feiern will! Mögen heißt nämlich nicht zwangsläufig, es auch zu feiern. Ich bin Experte in sowas…

Amüsant finde ich Menschen, die dann sofort mit der Samhain-Keule kommen. Ja, richtig, Samhain (Samain, Samuin), das „ganz alte, keltische Fest“, von dem Halloween abstammt. Ich lache mich halb kaputt, wenn einer ankommt mit altehrwürdigen Traditionen, die so und so gewesen wären und blablabla. Das ist einfach nur lächerlich. Wir heute können lediglich Samhain neu interpretieren, wir wissen nicht einmal, ob es überhaupt ein festgelegtes Datum gab. Die Interpretation, dass das „echte“ Samhain an einem Neumond stattfindet, dieses Jahr am 28.10.2019, ist eine Konstruktion, hauptsächlich Wicca. Und Wicca ist schon gar nicht keltisch oder germanisch, Wicca ist eine neuzeitliche Mischreligion, in der auch ägyptische, römische, griechische und weitere Götter verehrt werden. Sorry, aber was ich da schon gehört oder gelesen habe, ist teils einfach nur niedlich – das ist so, als ob ich z. B. Thor, Loki etc. aus den Marvel-Comics oder -Filmen als historisch korrekt bezeichnen würde. Ein Blick in die Edda, alte Sagen und Geschichten dürfte einen näher bringen an das, was da früher geglaubt wurde.
Und was heißt das nun? Klar, feiert Samhain, aber behauptet bitte niemals, dass ihr alles „ganz genau“ wisst.

Ansonsten haben alle Feste eins gemeinsam: Wir denken an unsere Toten, wir sollten uns selbst klar machen, dass wir vergänglich sind. Ob einer das in Stille feiern will oder mit Tanz und lauter Musik, in einer Kirche oder mit einigen Menschen an einem Lagerfeuer, das sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Wieso sich gegenseitig schlecht machen und streiten? Im Grunde feiern da doch alle das Gleiche!

Smartphonesüchtige Zombies

Jaja, ich weiß, da gab es schon mal dieses angebliche Wort des Jahres 2015 für die Smartphonezombies, „Smombie“. Angeblich, da laut Gerüchte „Alphakevin“ eigentlich das Jugendwort des Jahres 2015 war, aber aufgrund der möglichen Diskriminierung der Jungs, die Kevin heißen, wurde es gelassen. Ein „Alphakevin“ ist ein besonders dummer Zeitgenosse – und diese Bezeichnung habe ich in den Maßnahmen extrem oft gehört, vor allem von Alphakevins. 😉
„Smombie“ hingegen nie, was jedoch trotzdem nichts heißen muss, denn Jugendsprache ist meist regional sehr unterschiedlich.

Zurück aber zu diesen Smartphonezombies. Ist schon mal einem aufgefallen, dass ausgerechnet die Menschen, die keine Manager, Pressemenschen, Chirurgen, Notärzte oder sonstwie wichtigen Menschen eben nicht dauernd am Smartphone hängen? Die Selbstständige, die ich kenne, ebenso nicht, dabei könnte doch ein wichtiger Auftrag reintrudeln. Nö, meistens kleben Leute, die nur wichtig  tun wollen, daran. Aber halt, was rede ich denn da? Ich bin einfach nur zu doof, das zu kapieren.

Diese Zeitgenossen sind beinahe eins mit ihren Smartphones, untrennbar verbunden, außer das Guthaben ist aufgebraucht oder – oh Schreck und Katastrophe!  – ein hinterhältiges Funkloch trennt sie von der Außenwelt ab. Sie haben kontinuierlich  wahnsinnigen weltbewegende Dinge zu besprechen, wobei sie zwar aussehen wie Bekloppte, weil sie permanent mit unsichtbaren Gesprächspartnern am Dauerplappern sind, und wobei sie sich wirklich wie Zombies seltsam schwankend in Zeitlupe bewegen und vor Autos latschen, aber das muss die Außenwelt doch verstehen. Wenn ich es recht bedenke…

Also ich glaube wirklich, dass es um Leben oder Tod ging, als wieder einmal eine quer durch den ganzen Bus ihre sexuellen Vorlieben ausplärrte oder ein anderer die Probleme mit seinem eventuell nicht vorhandenen Liebesleben bis ins letzte Detail erörtern wollte.
Oder dass es zum Beispiel viel wichtiger ist, was irgendwer heute kocht, statt jetzt hier irgendwas Berufliches zu besprechen. Das muss warten, essen ist schließlich ein Grundbedürfnis.
Es geht auch nicht, dass frau zum Beispiel in einer Maßnahme hockt, das Smartphone aus der Hand legt und dem Unterricht folgt, wenn sie doch durch ständige Kontrolle per Whatsapp-Nachrichten prüfen muss, was ihre Tochter in der Schule macht. Dass ich es dann auch noch wage, ihr zu sagen, dass sie ihre Tochter vom Lernen abhält, also das ist ja wohl eine bodenlose Frechheit!

Ja, stimmt, ich habe von nichts eine Ahnung… Aber wenigstens erkenne ich das selbst, weil ich Zeit zum Nachdenken habe ohne ständig plappern zu müssen. 😉

Analphabetismus in Deutschland

Für viele ist es kaum vorstellbar, dass wir in Deutschland tatsächlich Analphabeten und funktionale Analphabeten haben.
Funktionaler Analphabetismus, auch „Illetrismus“ genannt, bedeutet, dass diese Menschen zwar die Buchstaben kennen, einzelne Wörter schreiben können, aber sobald es ein längerer Text ist, tauchen die Schwierigkeiten auf. Diesen können sie teilweise gar nicht lesen, der Sinn erschließt sich nicht usw. Teils können nicht einmal kurze Sätze geschrieben werden. Im Grunde heißt das für diese Menschen, dass sie im Alltag zwar etwas einfacher durchkommen als Analphabeten, aber im Grunde auf die gleichen Schwierigkeiten stoßen.
Wie viele Analphabeten oder Analphabeten und funktionale Analphabeten wir hier in Deutschland haben, kann nur geschätzt werden. Laut der „Leo. Level One Studie“ der Universität Hamburg sind etwa 14%, also 7,5 Millionen Menschen, im erwerbsfähigen Alter funktionalen Analphabeten. Hier ein Link zu dieser Studie: http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf
An diesen Punkt habe ich, als ich diesen Blogeintrag schreiben wollte, gar nicht gedacht: „Fehlerhaftes Schreiben trotz gebräuchlichen Wortschatzes zeigt sich bei weiteren fünfundzwanzig Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, dies betrifft vor allem die Rechtschreibung.“ (in diesem pdf, unter Punkt 1.1)

Bevor ich als Dozentin bei einem Bildungsträger anfing, also vor Mitte 2009, hörte ich davon zwar mal, aber dass es tatsächlich so viele Menschen sind, das hätte ich nie geglaubt.

Hey, ich habe Abi gemacht, das Lesen war und ist mein Hobby, dieses Kind da links (nur halt weiblich) hätte ich sein können. Als ich Mitglied der Stadtbücherei Bad Kreuznach wurde, war das für mich so etwas wie der Beitritt ins Paradies – endlich genug zum Lesen. Den Lesenotstand hatte meine Mutter schon zu spüren bekommen, als ich nicht einfach nur sämtliche Zettel früher gelesen habe, die rumlagen, sondern glatt noch das Wörterbuch verschlungen habe. Im ersten oder zweiten Schuljahr der Grundschule… Und meine Freundinnen und Freunde? Die waren genauso schlimm.

Mein jüngerer Bruder hatte Schwierigkeiten – aber aus Interessenlosigkeit. Das wurde spätestens dann sehr deutlich, dass es nur daran lag, als er mein Physikbuch stibitzte und das als normaler Lektüre benutzte, weil da „so viele Experimente und spannende Sachen drin stehen“.

Also: Wie soll so eine Leseratte wie ich tatsächlich auf die Idee kommen, dass da draußen Menschen rumlaufen, die theoretisch hätten lesen lernen können, es aber nicht können? Oder kaum können?

Ich glaube, vielen „gebildeteren“ Menschen geht es so. Schlecht lesen und schreiben können, das kommt vor. Aber gar nicht?
Während all der Maßnahmen habe ich nur vereinzelte echte Analphabeten getroffen. Einige davon kommen aus anderen Ländern, in denen auch ein komplett anderes Schriftsystem verwendet wurde, diese sind aber meist in der Minderheit und oft dankbar für jede Hilfe. Sie stehen offen zu dieser „Schwäche“ und bleiben gewöhnlich nicht lange Analphabeten. Die deutschen Analphabeten hingegen versuchen meist, das zu überspielen – „Brille vergessen“ ist eine häufig benutzte Ausrede. Ihnen ist es peinlich, für Hilfe sind sie oft auch sehr dankbar, wobei einige auch mit „Ich bin eh zu alt, um das noch zu lernen.“ ankommen. Das „zu alt“ wird auch schon mit Anfang 20 vorgebracht. Clever sind sie trotzdem: Ein Teilnehmer brachte es fertig, wenn etwas zu lesen war und eine anschließende Diskussion folgte, Seiten in einem bestimmten Rhythmus umzublättern, manchmal auch zurück, als ob er nochmals etwas nachlesen wolle, und dann bei den Diskussionen erst zuzuhören, als ob er all die Argumente der anderen hören wollte. Dann stieg er in die Diskussion ein.
Funktionale Analphabeten sind wesentlich häufiger und fallen im ersten Moment oft gar nicht auf. Hinweis bei ihnen und bei echten Analphabeten ist gewöhnlich die Unterschrift, die eher wie ungelenk gemalt aussieht – solch eine Unterschrift können jedoch auch Menschen haben, die selten schreiben, also nicht zu schnell in eine Schublade packen. Bisher habe ich mehr männliche als weibliche funktionale Analphabeten getroffen, wobei ich leider etliche Männer „erwischte“, die dies nur vorgaben, um sich vor irgendwelchen Aufgaben zu drücken. Das ist allgemein auffällig: In den Maßnahmen scheinen mehr Frauen lern- und veränderungsbereit zu sein als Männer.

Also: Es gibt sie tatsächlich! Viele sind dankbar, wenn man sie auf kostenlose Bildungsangebote aufmerksam macht, wo sie in einer geschützten Umgebung – als in Kleingruppen oder Einzelbetreuung – lesen und schreiben lernen können. Kurz ins Internet geschaut und man findet gleich in der Umgebung zahlreiche Angebote. Das Problem ist nur: Wir Lesekundigen finden diese Angebote. Diejenigen, die es betrifft, können es nicht einmal lesen und bekommen daher meist von diesen Möglichketen nichts mit! Und da sich viele aufgrund der Vorurteile nicht trauen, sich an andere zu wenden, haben wir hier einen Teufelskreis, der manchmal erst durch eine Zwangsmaßnahme oder irgendein anderes Angebot durchbrochen wird, das fernab des normalen Alltags dieser Menschen ist. Denn in diesem kommen sie meist durch Geschick unentdeckt gut zurecht.

Somit ist auch das hier wieder der falsche Weg, aber vielleicht hilft trotzdem die wilde Verteilung solcher Informationen weiter. 😉

Angebote in Bad Kreuznach:
Lernzentrum Bad Kreuznach Tel.: 0671 9200143
Lerncafé Bad Kreuznach Tel.: 0671 8382819
VHS Bad Kreuznach Tel.: 0671 800766

Angebote in Bingen:
VHS Bingen am Rhein Tel.: 308850
Auch in Bingen gibt es ein Lerncafé. Einfach bei der VHS Bingen nachfragen!

Allgemein in Rheinland-Pfalz:
Lerncafés GrubeNetz
Dort sind für verschiedene Städte die Ansprechpartner aufgelistet.

Letzter Tag

Seit Mitte September 2012 war diese Maßnahme bei diesem Bildungsträger – und ich bis auf ein Jahr Unterbrechung  dort als Dozentin. [Ergänzung: Seit Mitte Juni 2009 bei dem Bildungsträger als Dozentin; das eine Jahr Unterbrechung bei dieser Maßnahme war ich in einer Weiterbildungsmaßnahme als Fachdozentin mit „richtigen“ Fachthemen, bis diese eingestellt wurde.] Da ist es schon seltsam, wenn plötzlich der letzte Tag anbricht.
Soll ich traurig sein? Fluchen? Glücklich sein? Ich habe null Ahnung.

Eigentlich hing mir diese Maßnahme ohnehin am Hals heraus. Wenn man im sechs-Wochen-Abstand immer wieder den gleichen Kram erzählt, anfangs waren es sogar vier Wochen, kommt man sich schon spätestens nach einem halben Jahr vor, als ob man eine hängengebliebene Kassette ist. Man könnte mich mitten in der Nacht wecken und ich würde immer noch mein Unterrichtsprogramm abspulen können. Ich sollte nur nicht dann so zu leiern beginnen wie eine alte Kassette…

Zum Unterricht gehört zum Glück mehr als die pure Wissensvermittlung – oder auch zum Unglück, je nachdem, wie man es sieht und welche Leute / Gruppen man hat.
Sind da ein paar Leute, die wirklich etwas lernen wollen, Fragen stellen, bei denen das Thema an Tiefe gewinnt, dann liebe ich meinen Job.
Sind dort jedoch welche, die Bock auf nichts haben, die einfach nicht zu motivieren sind und die am besten nicht mal mit mir reden wollen, dann ziehen sich die Stunden und ich wünschte, der Arbeitstag würde nur aus Pausen bestehen. Sind dann noch aggressive Leute dabei, dann kann es passieren, dass ich meinen Job hasse. Ich kann ihn absolut nicht leiden, wenn ich von morgens bis mittags mit Krankheiten vollgeplappert werde, ständig Mitleid haben soll, vollgejammert werde, und so kein Unterricht möglich ist oder auch überhaupt keine Verbesserung, Änderung… All dieses Gejammer bringt erfahrungsgemäß ohnehin nichts, aber ist von manchen ein Hobby. Mir geht es hier auch nicht um Menschen, die Probleme haben, diese lösen wollen, WIRKLICH lösen wollen usw. Ich merke dann immer, wenn ich an solche Dauerjammerlappen gerate, dass ich mich wie ausgepumpt fühle, wenn ich dann endlich Feierabend habe. Kein Mensch verkraftet so viel Negatives auf Dauer.

Es gibt ein Zitat von Albert Einstein:

Halte dich von negativen Menschen fern. Sie haben ein Problem für jede Lösung.

Stimmt. Ist nur bescheuerterweise Teil meines „Jobs“, mich mit solchen Leuten zu beschäftigen, versuchen, sie aufzurichten, zu motivieren, sie… Naja, offiziell ja nicht, da bin ich „nur“ Lehrkraft, doch inoffiziell ist das sogar der überwiegende Teil.

Also… Bin ich traurig? Seltsamerweise nicht wirklich.
Einen Teil meiner Kollegen werde ich vermissen (und auch wenn ich freie Mitarbeiterin bin, sind das Kollegen!). Ich mag es, wenn da unter uns Dozenten die Sprüche fliegen, manchmal auch sowas kommt wie gestern von dem einen Kollegen: „Oh, heute steht Fachrechnen auf dem Unterrichtsplan. Flächen und Körper. Ich liebe Körper!“ Dieser Kollege hat ohnehin einen sehr trockenen und intelligenten Humor, so ganz nach meinem Geschmack. Der andere Kollege singt ständig (und gut!), was zu meiner Vorstellung eines Barden passt, der zu jedem Stichwort und zu jeder Gelegenheit ein Liedchen kennt.

Bin ich glücklich?
Das wäre nun übertrieben, aber seltsamerweise befreit, obwohl ich keine Ahnung habem wie es weitergeht. Bis jetzt habe ich nichts anderes in Aussicht.
Doch wieso befreit?
Nun, ich hätte einfach weiter gemacht, weiter und weiter, obwohl es mir längst keinen Spaß mehr machte. Ich brauche Abwechslung, etwas für die Weiterentwicklung… doch das war eher wie eine Dauerschleife. Ich hatte mich sogar zwischendurch woanders beworben, aber es ergab sich nichts. Im Grunde bin ich seit locker eineinhalb Jahren dauermüde. Nun gut. Jetzt bin ich draußen.

Dann machen wir doch einfach mal das Beste draus, oder? Ist schließlich nicht das erste Mal, dass sich etwas schlagartig ändert.

Es gibt dumme Fragen(steller)

stupid questionsEs heißt immer, dass es keine dummen Fragen gibt. Bei manchen Fragen bin ich jedoch fest davon überzeugt, dass sie bis zu einem gewissen Alter unter kluge Fragen fallen und ab einem gewissen Alter darauf hindeuten, dass man es mit einem Gegenüber zu tun hat, das sich kaum mit der Welt befasst, die es umgibt. Und dann wirkt irgendwann so eine Frage einfach nur noch dumm. Genau genommen ist es die Frage ja immer noch nicht, nur halt der Mensch, der diese stellt…

So hatte ich erst kürzlich ein sehr aufschlussreiches Gespräch. Eine Frau, etwa 30 Jahre alt, erzählte mir, dass sie mit ihrem Mann am Wochenende den Zoo besucht hatte. Der erste Schock erwartete sie am Affengehege. Anstatt sich zusammenzureißen, trieben es tatsächlich welche miteinander. Sogar zweimal! Ich konnte mir gerade so den Kommentar „Spanner!“ verkneifen, dann versuchte ich diesem Fraumädchen klar zu machen, dass menschliche Vorstellungen wohl kaum für Affen relevant sind. Ganz davon abgesehen: Wohin sollten sie sich denn bitteschön zurückziehen?

Das Gespräch war noch nicht vorbei. Die Frau beschwerte sich bei mir, dass viele Zootiere total gelangweilt ausgesehen hätten. Ach was…? Ich versuchte schon wieder geduldig zu erklären, dumme Dozentenangewohnheit, obwohl mir so kurz durch den Kopf blitzte: „Meinst du, das bringt da überhaupt noch was?“ Irgendwann hatte sie es glücklicherweise kapiert, dass es sich nicht um die natürliche Umgebung handelt, die Tiere in der Natur mehr zu tun haben, es zwar Zooprogramme gibt, um den Tieren Abwechslung zu verschaffen, viele ja auch im Zoo aufgewachsen sind, aber es trotzdem was anderes ist und blablabla.

Ergebnis all dieser Erklärungen: riesengroße Augen. Und eine Frage…
„Wieso tauscht man die dann nicht zwischendurch aus? Man kann doch die in freier Wildbahn reinsetzen und die im Zoo rauslassen und dann wieder nach einer Weile austauschen. Dann muss sich kein Tier so langweilen.“

Ich habe es mir verkniffen, ihr sofort zig Videos zu zeigen, wo grausam Tiere gejagt werden, und obendrein, weil mir so viel „Naivität“ gewaltig auf den Senkel geht, Videos von Schlachtungen…
Aber sie fragen, ob sie es denn toll fände, wenn man sie jagen, ihre Freunde und Verwandte umbringen würde, nur um sie zu erwischen, und sie dann einsperren würde damit zig Leute sie anstarren könnten, das konnte ich mir nicht verkneifen.

Brains are awesome

Brains are awsomeZumindest denkt man sich das öfters. Oder ich denke mir das immer wieder zwischendurch.

Unter anderem wenn jemand wieder einmal nur halb seine (in diesem Falle ihre) Arbeit erledigt hat, aber der festen Überzeugung ist, fertig zu sein. Hübsch: Sie geht dann natürlich in Urlaub („Morgen und übermorgen bin ich nicht da.“) und hinterlässt mir z. B. einen Bericht, den sie aktualisieren sollte, mit dem Hinweis „ist fertig, falls noch was zu ergänzen ist, schreib’s hin“.
Und dann steht man da und fragte sich ernsthaft, ob diese „Kollegin“ alles gelesen hat, ob sie eine längere Aufmerksamkeitsspanne als von jetzt bis zum nächsten What’s App-Post besitzt oder ob sie überhaupt versteht, was zu tun ist, denn ihr „fertig“ beinhaltete nicht mal die Hälfte der eigentlichen Arbeit und den alten Bericht hatte sie wohl nicht mal zuende gelesen. Mittlerweile tippe ich leider auf Letzteres: Sie hat null Plan von ihrem Job. Den wird sie auch niemals bekommen, denn dafür müsste sie sich überhaupt erst einmal dafür interessieren.
Nun gut, ab Mitte September ist dieses Trauerspiel vorbei, da die Maßnahme ausläuft.

Geistig duellieren werde ich mich auf jeden Fall nicht mit ihr. Sie ist unbewaffnet, das wär unfair. ;-p

Selbstständige sind reich

Irgendwie sind viele Bilder, die andere im Kopf haben, recht amüsant. Ein gutes Beispiel ist das Bild über Selbstständige, das ja auch oft in den Medien so gezeigt wird. Die meisten verbinden damit automatisch Menschen, die eine riesengroße Firma haben, zig Angestellte und am allerliebsten nichts arbeiten, sondern arbeiten lassen.

Nun, wenn es so einfach wäre, wie zum Beispiel meine Teilnehmer regelmäßig vermuten, dann frage ich mich schon, wieso sich nicht jeder selbstständig macht und weshalb es überhaupt Arbeiter, Angestellte und auch Arbeitssuchende gibt.

Doch wie sieht es denn so in Realität aus, wenn es sich hierbei um eine der häufigen Einzelunternehmer handelt, der nunmal keine Angestellten hat? Unvorstellbar für meine Teilnehmer.
„Leute, ich bin Freiberufler.“ „Aber nicht selbstständig.“ „Doch. Freiberufler sind Selbstständige.“ „Aber Sie arbeiten doch hier.“
Es ist viel Arbeit, da erst mal klar zu machen, dass man tatsächlich selbst arbeiten geht, woanders arbeitet und trotzdem selbstständig ist.

Witzig wird es, wenn dann die wilden Vermutungen folgen, wie viel ich im Monat verdiene. Also unter 5000 Euro brutto kam ich selten davon. Leider entspricht auch das nicht der Realität. Wenn ich dann versuche klarzumachen, dass ich im Grunde genauso viel Geld verdiene wie eine angestellte Bürokraft, werde ich bisweilen wie eine Lügnerin behandelt, denn das kann ja wohl absolut nicht sein.

Kommen dann noch Tatsachen hinzu wie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein bezahlter Urlaub, selbstverständlich weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld und überhaupt kein Geld, wenn ich nicht arbeiten gehe, stehen die Münder nur noch offen. Vor allem wenn ich dann noch einen drauf setze: Ich habe keine Kündigungsfrist, ich kann jederzeit von jetzt auf gleich keinen Auftrag mehr haben. Oh, und sozialversichern muss ich mich selbst etc.

Bei einigen wenigen bleibt das hängen. Doch die meisten verdrängen diese Realität, wie sie nunmal bei vielen kleinen Selbstständigen vorherrscht, ganz schnell und erzählen spätestens einen Tag später, dass sie sich ja wohl am besten selbstständig machen sollten. Dann würden andere arbeiten und sie könnten gemütlich zuhause bleiben.
„Aha, und wieso machen Sie das nicht, wenn das so einfach ist?“
„Dafür braucht man viel Geld und ich habe die falschen Eltern / die blöde Bank gibt mir nichts /…“

Alles klar.

Bei manchen liegt mir beinahe die nächste Frage auf der Zunge, ich stelle sie jedoch nur äußerst selten. Da muss mir die Person schon auf den Nerv gehen und sich wirklich als unwillig, unmotiviert etc. geoutet haben (ein Glück dass das lange nicht alle sind!):
„Also daheim bleiben und andere arbeiten lassen – wo ist da zu jetzt der Unterschied?“

Unizeugs und Rauchentzug…

Nur noch den Hospitationsbericht fertig schreiben, dann ist das Semester wirklich „beendet“… Gar nicht so einfach, wenn der Kopf voll mit anderen Plänen ist und man das wissenschaftliche Schreiben absolut nicht ausstehen kann. Mir gefällt es besser (und fällt es leichter), Romane und Geschichten zu verfassen. Auch Blogartikel, die vermutlich ohnehin kaum jemand freiwillig liest.

Da es mit einem halben Burnout dank Arbeit/Studium/Urlaub vermeiden/fleißiger Selbstausbeutung als Selbstständige/1000 andere Sachen an sich hängen haben noch nicht Herausforderung genug ist, habe ich obendrein am Donnerstagnachmittag um etwa 15 Uhr meine letzte Zigarette gequalmt. Seitdem habe ich festgestellt, dass

  1. dampfen kein ordentlicher Ersatz für selbstgedrehte Kippen ist
  2. viel zu viele Gewohnheiten bei mir mit dem Rauchen verknüpft sind, z. B. Nachdenkpausen beim Schreiben (jedes Mal gucke ich total irritiert und suche erst einmal meinen Tabak)
  3. sich 26 Jahre Training nicht einfach so ausblenden lassen
  4. Essen kein Rauchersatz ist
  5. meine Konzentration gerade wirklich nur für sehr kleine Zeiteinheiten reicht (vor allem, wenn ich sitzen sollte)
  6. mein Teppich im Wohnzimmer für sein Alter erstaunlich widerstandsfähig ist, denn bei jedem anderen müssten sich da mittlerweile Trampelpfade durch kahle Stellen gebildet haben, so wie ich meine Runden drehe vor lauter Zappeligkeit – tanzen ist übrigens auch effektiver als essen, rumhüpfen könnte allerdings auf Dauer zu Stress mit den Nachbarn, die unter mir wohnen, führen
  7. ich ganz dringend einen Schreibtisch will, an dem ich stehen kann, besser noch mit Rollen – hey, ein Tisch und ein Laufband davor würde bestimmt auch gehen
  8. ich sogar auf Besucher ansteckend wirke, die plötzlich mit mir ihre Runden durch Wohnzimmer und Küche drehen, obwohl sie noch nie Raucher waren… (Danke, Johannes, dass du mich gestern freiwillig besucht und ertragen hast! 😉 )
  9. ich mich selbst perfekt in den Wahnsinn treiben kann
  10. Uniarbeiten wirklich, wirklich nervtötend sind (wenn ich reinschreibe „verfasst unter Zigarettenentzug“ müsste es eigentlich Bonuspunkte geben, oder?)
  11. Kaffee in Verbindung mit dem Dampfen seltsam schmeckt, Tabak harmonierte besser
  12. meine Wohnung dringend gestrichen werden müsste
  13. ich das Dreckswetter gerade gar nicht mag, sonst würde ich vermutlich gerade meinen Balkon auf den Kopf stellen
  14. ich froh über das Wetter sein kann und auch darüber, dass ich keine Farbe etc. im Moment da habe, denn sonst würde ich den Hospitationsbericht garantiert nicht schreiben!

Aber es geht noch einen Grad härter: Gerade haben meine Tage begonnen. Vielleicht sollte ich jetzt besser überall Warnschilder aufstellen.

Alte Fotos und Erinnerungen

Nach und nach scanne ich alte Fotos ein, die bei mir herumfliegen, sortiere dabei aus und erstelle Fotobücher. Zum einen werde ich die wohl eher ansehen als irgendwelche herumfliegenden oder halb aus den Alben fallenden Bilder, zum anderen will ich auch ganz schlicht und einfach mehr Ordnung.  Natürlich kommen dabei auch Erinnerungen hoch.

Es ist seltsam, wie oft die Fotos eine Geschichte erzählen, die aus glücklichen Momenten bestehen oder zumindest diese abbilden. Aber wenn ich dann darüber nachdenke, wann sie entstanden sind, entlarve ich die Bilder schnell als Lügner. Während meiner Ausbildungszeit zur Fotografin war ich meist ganz und gar nicht glücklich – das Geld war mehr als knapp, meist begrüßte mich der Kühlschrank mit gähnender Leere (eine gute Weile hatte ich sogar den Stecker gezogen, denn wofür Strom verbrauchen, wenn eh nichts drin ist?), im ersten Ausbildungsbetrieb, der pleite ging, wurde ich ausgenutzt und erhielt am Ende nicht mal mehr meinen Lohn als Lehrling, in meinem zweiten Ausbildungsbetrieb war ich sehr unglücklich, die Berufsschule hasste ich… Als ich dann nicht mal mehr ein Auto hatte, was ich mir vorher eigentlich schon nicht leisten konnte, kam der Bahnärger hinzu, durch den ich dann auch noch zu spät kam/ nicht weg konnte usw.

Von all dem erzählen die Fotos nichts. Im Gegenteil: Sie wirken so, als ob es immer alles supertoll gewesen wäre.
Einige Erinnerungen sind aber auch sehr witzig: Wenn wir in meinem alten Ford Escort (Bj. 1983) saßen, der gerade mal um die 45 PS hatte, es bergauf ging und wir „Hauruck!“ im Inneren brüllten und uns bewegten, als ob wir ihn anschubsen wollten, damit er den Berg schaffte. Oder wieder mal Gothics durch das Armaturenbrett halb geblendet wurden, weil mein Bruder, dem der Escort zuerst gehörte, es knallgelb eingefärbt hatte. 🙂

   

Ich musste mir nie merken, wo mein Auto steht – oft fand ich es schnell, weil eine Horde Kinder es umzingelte und durch die Scheiben ins Innere schauten oder Menschen mit irritiertem Gesichtsausdruck mir entgegenkamen. Außerdem saß kein Auto so aus und die meisten waren sowieso viel „jünger“. 😀
Nett war es ebenfalls, dass ich nicht mehr am Ortsausgang überholt wurde (haha, dabei hatte mein Suzuki Alto davor fast genauso viel PS und zog viel besser) und anfangs ständig Parklücken fand, in die mein Suzuki reingepasst hätte, der Escort jedoch nicht. Bei der Anzahl der Gänge musste ich mich nicht umgewöhnen, er hatte ebenfalls nur vier, was dazu führte, dass ich Jahre später nach noch weiteren zwei Autos mit vier Gängen erst einmal brauchte, um überhaupt daran zu denken, dass es sogar welche mit mehr Gängen gibt.

Und? Wie sieht es bei dir aus? Sind deine Fotos auch kleine Lügner und erzählen von wahnsinnig tollen Zeiten? 😉

Morgen beginnt das Julfest

Winter, Jul, von mir aus auch Weihnachten… Eigentlich ist das doch die richtige Zeit, um einfach mal innezuhalten. Stattdessen hetzten die meisten von einem Termin zum nächsten, rasen los, um die letzten Geschenke zu kaufen und und und. „Besinnliches Fest?“ Fehlanzeige! Was ist da denn schief gelaufen?

Im Grunde übertragen wir unsere Rennerei, die wir das ganze Jahr über schon zelebrieren, in noch schnellerer Form auf den Rest des Jahres. Doch haltet mal wirklich wenigstens kurz inne und fragt Euch selbst, was es Euch bringt. Macht es Euch glücklicher? Gesünder? Wollt Ihr das noch Jahre so weitermachen?

Allgemein fragte ich mich das schon ohnehin, doch nachdem mir wieder einmal sehr klar gezeigt wurde, wie zerbrechlich unser Leben oder unsere Gesundheit ist, wie schnell sich alles ändern kann, frage ich mich ernsthaft, was der ganze Blödsinn soll.
Wofür hetzen, wenn doch gar kein wildes Tier hinter einem her ist, das einen fressen will?
Wofür tausend Dinge am besten gleichzeitig erledigen, wenn die meisten Aufgaben im Grunde nicht wichtig sind und die Welt garantiert nicht untergeht, wenn etwas mal liegen bleibt?
Wofür sich Gedanken machen, was irgendwer meint und denkt, wenn diese Person nicht mal zum engsten Kreis gehört und es wirklich egal ist, ob diese Person einen überhaupt leiden kann.
Wenn du mit etwas absolut unglücklich bist, wieso tust du dir das an?
Wieso an etwas festhalten, das schmerzt?

Vielleicht sollten wir davon mal wenigstens kurz weg und uns lieber fragen, was wir denn wollen, wie wir den Rest unseres Lebens verbringen wollen, was uns wichtig ist. Und auch einfach mal nur im Augenblick leben, einen Tee riechen und genießen, die Augen schließen und die Wärme spüren… Dann haben wir immerhin kurz eine „besinnliche“ Zeit.

Ich wünsche allen eine schöne Julzeit und einen guten Start ins neue Jahr!